Umfrage

Was denken eigentlich die Praktiker über den Jazzunterricht an den Musikhochschulen?
Um dies herauszufinden, haben wir eine kleine, nicht repräsentative, aber nichtsdestotrotz in einigen Punkten sehr aussagekräftige Umfrage unter aktiven Jazzmusiker/innen durchgeführt, die einen Teil ihrer Arbeitszeit der Erziehung und Förderung des Nachwuchses widmen. Wie nicht anders zu erwarten war, fielen die Antworten teilweise sehr kontrovers aus. Die Umfrage macht deutlich: Wir haben es hier mit einem Thema zu tun, das viel brisanten Diskussionsstoff in sich birgt. Bleibt zu hoffen, dass die kritische Reflexion im Zuge der Bologna-Reformen nicht auf dem Altar eines rein leistungs-orientierten Pragmatismus geopfert wird.


Die Befragten:

 
Hans Feigenwinter
Pianist (lebt in Basel, unterrichtet in Basel und Luzern)
Christoph Grab Saxofonist (lebt und unterrichtet in Zürich)
Fabian Kuratli Schlagzeuger (lebt in Bern und unterrichtet in Luzern)
Domenic Landolf Saxofonist (lebt in Guggisberg und unterrichtet in Basel)
Norbert Pfammatter Schlagzeuger (lebt in Bern und unterrichtet in Luzern)
Marianne Racine Sängerin (lebt und unterrichtet in Zürich)
Sascha Schönhaus Saxofonist (lebt und unterrichtet in Basel)
Christoph Stiefel Pianist (lebt in Zürich und unterrichtet in Luzern)
Urs Wiesner Vibraphonist (lebt und unterrichtet in Basel)
Chris Wiesendanger Pianist (lebt in Zürich und unterrichtet in Luzern)
Nils Wogram Posaunist (lebt in Zürich und unterrichtet in Luzern)

 

Die Fragen von Tom Gsteiger:

1 Welche Aspekte des Jazz lassen sich im Unterricht ohne grosse Probleme vermitteln? Wie sorgt man dafür, dass der Unterricht nicht in Routine erstarrt?

2 Auf welche Aspekte legt ihr in eurem Unterricht grossen Wert?

3 Oft hört man: Handwerk kann man lernen, Originalität nicht. Stimmt ihr dem zu?


4 Oft hört man auch: Mit den Jazzschulen ist das Niveau der MusikerInnen gestiegen. Stimmt das wirklich?


5 Besteht nicht die Gefahr, dass der Jazz steril/stereotyp/langweilig wird, wenn man ihn allzu sehr "kodifiziert"/"reglementiert"?


6 Ist das "akademische Milieu" dem Nonkonformismus, wie ihn Jazzmusiker wie Parker, Monk, Mingus usw. verkörpern, nicht abträglich?

7 Sind die Lehrpläne nicht überfrachtet? (M.a.W.: Haben die Studierenden überhaupt noch genug Zeit, um zu üben und den Stoff zu verarbeiten?)

8 Wird der Gehörschulung genug Gewicht eingeräumt?

9 Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen, um ein "guter Jazzmusiker" zu werden?

10 Wie bewertet ihr generell das Jazzausbildungsangebot in der Schweiz (Niveau, stilist. Bandbreite ...)?

11 Gibt es hierzulande nicht zu viele Jazzschulen? Oder ist die Konkurrenz zwischen den Schulen eine Garantie für Vielfalt und Fortschritt?

12 Kennt ihr spannende/innovative/bahnbrechende musikalische Entwicklungen, die es ohne Jazzschulen nicht gegeben hätte?

13 Was waren die Schlüsselerlebnisse in eurer eigenen Ausbildung? (Gab es Kontakte zu besonders imposanten/inspirierenden Lehrerfiguren?)

14 Wenn man MusikerInnen fragt, was beim Improvisieren vor sich geht, bekommt man fast immer nur eine sehr diffuse Antwort. Wie lässt sich dann aber ein anscheinend so mysteriöser Vorgang im Unterricht vermitteln?

15 Sind Workshops von internationalen Jazzkoryphäen nicht sehr oft eine Alibiübung?

16 Mal angenommen, ihr hättet die Kompetenz, weitreichende Reformen durchzuführen: Was würdet ihr verändern, verbessern, abschaffen, neu einführen ...?

17 Seit die Jazzschulen in die Musikhochschulen eingegliedert worden sind, gibt es vermehrt "Crossover-Projekte", bei denen Jazz- und Klassik-Studis zusammenarbeiten. Ist das eine sinnvolle Entwicklung?

18 Hat die "Akademisierung des Jazz" die gesellschaftliche Akzeptanz des Jazz erhöht?

19 Was ist Jazz für euch überhaupt? Ein Stil? Eine Lebenshaltung? Gibt es musikalische Parameter, die unbedingt vorhanden sein müssen, damit man von Jazz sprechen kann?

 



Der Jazz im Zeitalter seiner Akademisierung
Die komplette Umfrage als PDF
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