| 19 Was ist
Jazz für euch überhaupt? Ein Stil? Eine Lebenshaltung? Gibt es
musikalische Parameter, die unbedingt vorhanden sein müssen, damit
man von Jazz sprechen kann? GRAB: Eine definition wird heutzutage immer schwieriger, da sich der Jazz in alle möglichen Richtungen entwickelt (was ich auch sehr gut und spannend finde!). Für mich ist heute Jazz: Musik, die einen grossen Anteil an Improvisation enthält, die dem einzelnen grösstmögliche Ausdrucksfreiheit lässt, die ein starkes rhythmisches Element hat (aber darüber könnte man sich schon wieder streiten), Musik, die aus der Tradition kommt und das Neue will, oder mindestens den persönlichen momentanen Ausdruck. KURATLI: Ich weiss es nicht. Es ist zu breit geworden, um es noch klar zu definieren. Auf alle Fälle ist er in jeder Ausprägung eine Randerscheinung. LANDOLF: Für mich verbindet Jazz in idealer Weise Kopf und Bauch; das intellektuelle, harmonische Konzept der Klassik und der Groove, im weitesten Sinn aus Afrika halt. Wichtig auch das Spontane, die Möglichkeit zum Dialog und Austausch. PFAMMATTER: Jazz ist Improvisation, Kommunikation, Musik im Moment, Livemusik, Gleichberechtigung, Magie, Poesie... STIEFEL: Für mich ist Jazz die Musikform, die meinen eigenen Vorstellungen von meiner bevorzugten Musik am nächsten kommt. Im Jazz ist auch am meisten Freiheit vorhanden für den eigenen musikalischen Ausdruck im Moment, als Komposition, im Zusammenspiel mit anderen... SCHöNHAUS: Musik ist eine Botschaft und ich bin eigentlich kein Freund diese Kistchendenkens. Ein Musiker muss eine Message vermitteln, klar, wenn diese aus dem Einflussbereich des Jazz stammt, kann man das Jazz nennen. Ich meine, das wichtigste am "Jazz" ist, dass die Musiker, die wir als Koryphäen sehen (Miles Davis, John Coltrane etc.), Musiker waren, die eben Grenzen gesprengt haben , die Stile weiterentwickelt haben und zu einer eigenen Sprache gekommen sind, das waren keine Bewahrer... Und zur Lebenshaltung möchte ich gerne Bert Brecht zitieren: Da der Mensch doch nur kurz lebt, hat er ein Anrecht darauf, glücklich zu sein und zu essen Brot zu kriegen und keinen Stein. WIESENDANGER: Ich werde es bestimmt nicht schaffen, eine Definition abzugeben, aber für mich ist Jazz eine Musik, bei der Kommunikation und Improvisation im Zentrum stehen, die aber keinen so stark tradierten Kodex wie in der Volksmusik kennt. Die Musik ensteht / komponiert sich durch die Musiker selbst. WOGRAM: Jazz ist improvisierte Musik. Für mich persönlich gehört der Rhythmus sehr stark dazu, aber da gehen die Meinungen auseinander. Ich habe vom Jazzmusiker eine eher konservative Vorstellung: Als Jazzmusiker sollte man die Jazztration mit allen wichtigen Persönlichkeiten kennen und auch musikalisch imitiern können (zumindest auf seinem Instrument). Man sollte ein Repertoire an Jazzstandards auswendig beherschen. Man sollte trotzdem weiter forschen und versuchen sein "eigenes Ding" zu finden. Dazu ist hilfreich, sich auserhalb des Jazz weiterzubilden und alle möglichen anderen Musikformen kennenzulernen und zu studieren (Selbstudium). |