| 1 Welche Aspekte
des Jazz lassen sich im Unterricht ohne grosse Probleme vermitteln? Wie
sorgt man dafür, dass der Unterricht nicht in Routine erstarrt? GRAB: Dazu habe ich eine riesige Palette an Improvisationsübungen und -Tools entwickelt die einem Studenten die grosse Welt der Improvisation öffnen, eine Art Handwerk der Improvisation. Das macht Studenten aber noch nicht kreativ. Wichtig ist dann auch, ihre Verbindung zu ihrer „inneren“ Musik zu schulen und ihre Vorlieben und Tendenzen zu fördern. KURATLI: Technik lässt sich ohne Probleme vermitteln. Man fühlt sich gut und seriös dabei. Wenn man nicht in Routine erstarren will, muss man als Ziel haben, selber mindestens soviel lernen zu wollen wie die StudentInnen. Die Neugierde muss unbegrenzt vorhanden sein und gefördert werden. LANDOLF: Kann ich gar nicht so generell sagen, ist ja bei jedem Schüler ein bisschen anders. Bei einem happert's vielleicht mehr beim Rhythmischen, beim anderen am Harmonischen... Ich versuche, eine Sache von verschiedenen Blickpunkten zu betrachten, Bezüge zu anderen Stilen und zur Klassik, Bezüge zu anderen Instrumenten und Gesang zu nehmen. Gut gegen Routine ist auch, wenn der Schüler etwas einbringt, das er gerne behandeln möchte. PFAMMATTER: Alles lässt sich vermitteln, was das Kleid der Musik ist (Technik, Stilistik, Struktur, Form, usw) Schwierig wird es am ehesten auf der emotionalen Ebene der Musik, die einen guten Teil unseres Genres ausmacht. Persönlichkeit bringt jemand in gewissem Sinne mit oder eben nicht. Wenn der Mentor auf dieser Ebene Vorbildfunktion übernehmen kann, so ist das bestimmt eine grosse Hilfe. RACINE: Das Zusammenspiel. Deine Erfahrungen mit Jüngeren teilen. Effizientes Üben. Man sollte sich weiterbilden und neugierig bleiben. SCHÖNHAUS: Vermitteln lässt sich natürlich Information, Solos, Übestrukturen , Übepläne ... Meine persönliche Meinung ist, dass Musik Kommunikation ist und nicht Abspulen von Gelerntem. Daraus ergibt sich, dass ich ein Befürworter bin von Dozenten, die selber auch spielen und Musik als Kommunikation mit ihren Mitmusikern und auch dem Publikum verstehen. Somit verändert sich mein Unterricht mit meiner persönlichen musikalischen Weiterentwicklung und mein eigenes, sich entwickelndes Repertoire befruchtet auch wieder meinen Unterricht. Ich glaube auch , dass es wichtig ist, durch das eigene Beispiel, die Schüler "wunderfitzig" zu machen, ihnen Lust zu vermitteln, selber auszuchecken. STIEFEL: Theorie, Tradition. Wenn man selbst nicht in Routine erstarrt ist, ist das keine Gefahr für den Unterricht. WIESENDANGER: Es lassen sich Grundlagen vermitteln. Harmonielehre, Ear Training, Kontrapunkt, harmonisches Improvisieren (in Form von Orientierungs- und Gehörsübungen, ersetzt nie die Kreativität!), Analysen aus der Jazzgeschichte (Transkriptionen usw.) ... Wenn der Unterricht aktuell ist und Bezüge zur Realität herstellt, wird der Musikunterricht nicht langweilig. Man kann den Studenten höchstens begleiten, führen und aufmerksam machen; Musikalität und Kreativität kann nicht vermittelt werden (höchstens hingeführt werden). WIESNER: In meinem Unterricht geht es nicht nur um Vermitteln! Es geht auch um Coaching, ansteckend wirken, musikalisches Leben teilen, zusammen musizieren, Lernprozesse definieren. Die Umkehrung der Frage ist einfacher: Schwierig zu vermitteln empfinde ich alles, was mit Groove zu tun hat, wenn der Schüler nicht schon viel mitbringt. Indem man sich erlaubt, immer wieder zum Punkt zu kommen, "nichts" zu wissen, und selber ins Lernen kommt, kann man auch viel vermitteln. Das ist wohl eine unendliche Geschichte, nicht? WOGRAM: Gut vermitteln kann mach Technik und Methode. Schwierig ist es bei Feeling und Phrasierung. Wichtig ist, daß man auf die Vorlieben und Stärken/Schwächen des Studenten eingeht. So bleibt der Unterricht lebendig und effektiv. |